Türkisch-Mongolische Dynastien in Persien

Wie persisch war Persien vor 100, 500 oder 1000 Jahren? Man glaubt es kaum, doch in den letzten 1.000 Jahren gab es unzählige nicht-persische Dynastien im damaligen Persien. Hier zeigen wir euch, welche (alten) Steppenbewohner das bunte Persien beherrscht haben.

Bevor wir loslegen, sollten wir kurz definieren, was wir als türkisch oder mongolische Dynastien verstehen. Insbesondere den Unterschied zwischen Dynastie und Imperium bzw. Reich sollten wir auch klar unterstreichen.

Als türkisch oder mongolische Dynastie bezeichnen wir die, die von einem türkischen oder mongolischen Anführer gegründet wurden. Wir sprechen nicht von der Leitkultur in diesem Reich. Die persische Kultur dominierte weiterhin, genau wie ihre Sprache. Massive Veränderungen gab es jedoch im Militär und in der Politik. Diese Veränderungen sind wiederum typische Eigenschaften nomadischer Steppenbewohner.

Was ist eine Dynastie?

Eine Dynastie besteht aus einem Herrscherhaus, also somit aus einem Geschlecht, welches ein Reich beherrscht und regiert. Ein Imperium kann von verschiedenen Dynastien nachfolgend geführt werden, wenn eine Dynastie ihr Ende findet und eine neue zu herrschen beginnt. Im Falle Persiens trifft das sehr gut zu. Der König von Persien wird Shah genannt und nicht jeder Shah war ein gebürtiger Perser (Bewohner Persiens) oder ein Pers (ein Volk, was diesem Gebiet den Namen gab).

Als die Nomaden kamen

Kontakte zu iranischen Völkern hatten Proto-Türken schon früh. Zum Beispiel war das iranische Volk der Yuezhi ein wichtiger Bestandteil der Stammesföderation der Xiongnu (auch bekannt als asiatische Hunnen). Der intensivere Kontakt begann jedoch wahrscheinlich mit dem westlichen Zweig des Kaganat der Türk („Göktürken“). Diese waren nämlich Nachbarn der iranischen Samaniden. Und es war keine andere persische Dynastie als die der Samaniden, die den Nomaden „Zugang“ in ihr Land erlaubten, indem sie mit dem Oghuz Yabgu (Yabgu: ein alltürkischer Herrschertitel), der Herrscher eines oghusischen Staates, einen Pakt hatten und seine türkischen Soldaten als Söldner oder Militärsklaven nutzten. Innerhalb des Reiches des Oghuz Yabgu kam es jedoch zu Konflikten und der Anführer des oghusischen Stammes Kınık revoltierte und stürzte den Yabgu. Dieser Anführer, der zum neuen „Yabgu“ wurde, war Seldschuk (Selçuk) Beg (Beg :Titel für den Herren eines Stammes). Seldschuk hatte es geschafft alle Oghusen im Westen zu vereinen und zog mit seinen Nomaden in Richtung Persien und eroberte mit diesen einen großen Teil Persiens. Das Reich der Seldschuken reichte in seiner größten Ausdehnung von Anatolien bis den Süden nach Jemen und in den Osten bis nach Afghanistan.

Das Reich der Seldschuken
Das Reich der Seldschuken

Somit waren die Seldschuken eine der ersten türkischen Dynastien in Persien. Richtig gelesen, sie waren nicht die ersten, denn die ersten waren die Ghaznawiden mit ihrem Anführer Sebuk Tegin. Er war ein Militärsklave der Samaniden und revoltierte. Durch die Herrschaft der Ghaznawiden in einem Teil Persiens und den Seldschuken in einem sehr großen Teil Persiens, wanderten sehr viele türkische und später mongolische Nomaden in das Reich ein. Einige dieser nomadischen Stämme wurden zu Herrschern und gründeten ihre eigene Dynastie, oder es kam ein türkisch-mongolischer Herrscher wie Hulagu (Enkel des Dschingis Khans) oder Timur an die Macht.

Es folgt nun eine Auflistung der Dynastien mit kurzen Anmerkungen.

  • Die Ghaznawiden (in Persien: ca. 1003–1040)
  • Die Seldschuken (in Persien: 1038–1194)
  • Die Eldigüziden/Atabegs von Aserbaidschan (ca. 1136–1225)
  • Die Atabegs von Yazd (ca. 1141–1318)
  • Die Choresm-Schahs aus der Dynastie der Anuschteginiden (in Persien: 1142–1231)
  • Die Salghuriden/Atabegs von Fars (1148–1282)
  • Die Qutlughchaniden (1222–1306)
  • Die Ilchane (1256–1388) (mongolisch-türkisch)
  • Die Timuriden (in Persien: ca. 1380–1507)
  • Die Safawiden (1501–1765) (teils turkmenischer Herkunft)
  • Die Afschariden (1736–1796)
  • Die Kadscharen (1794–1925)

Da Persien ein großes Territorium hat, gab es selbstverständlich auch kleine Dynastien, die zur gleichen Zeit existierten. Im Zeitalter der Eroberungen verschwanden Dynastien sehr schnell und nur einige schafften es mehrere Jahrhunderte zu existieren. Eine dieser Dynastien war die der Safawiden.

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Einfluss der Türken in Persien: Viele „persische“ Teppiche sind in Wirklichkeit turkmenische Teppiche.

Diese Dynastie ist für das heutige moderne Iran wahrscheinlich die wichtigste, denn diese machte aus dem sunnitischen Persien ein schiitisches Persien. Der Grund warum es in dieser Liste ist, ist primär die Tatsache, dass der Gründer Ismail I. mütterlicherseits vom turkmenischen Anführer Uzun Hasan abstammt. Die Mutter von Schah Ismail war nämlich Halime Begüm, die Tochter von Uzun Hasan, dem Herrscher der Karakoyunlu. Schach Ismail sprach auch Türkisch und dichtete auch mit dieser Sprache. Er führte außerdem eine schiitisch-turkmenische Armee an, die wegen ihrer Kopftracht den Namen Kızılbaş („Rotköpfe“) bekam, und fühlte sich mit ihnen verbunden. Somit nutzte er die komplette Kraft seiner Armee voller türkischer Nomaden gegen das ebenfalls türkische Osmanische Reich; für welche was für eine Ironie.

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Die schiitisch-turkmenische Eliteeinheit: Ein Kyzylbasch Krieger.

Eine weitere Dynastie, die auch relativ lang herrschte, war die letzte türkische Dynastie Persiens, die von unserer Zeit aus gesehen nicht wirklich weit weg liegt. Die Kadscharen herrschten bis 1925, also bis sie vom Militär geputscht wurden und General Pahlavi sich selbst zum Schah ernannte. Die Pahlavis sind somit die Ersten, die ohne eine adlige Abstammung eine Dynastie gründeten. Noch heute gibt es Nachfahren der Kadscharen, die alle neben Persisch auch ihre Muttersprache, das aserbaidschanische Türkisch, sprechen können.

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Die Nachfahren leben weiter: iranische Turkmenin (Neuzeit).

 

 

 

0 Kommentare zu „Türkisch-Mongolische Dynastien in Persien

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  1. Sehr schöner Beitrag, man kann euch gut folgen. Eine Frage hab ich aber: ging es bei dem Kampf gegen das osmanische Reich, Ismail I. um das Interesse daran die Shia Rechtsschule zu verbreiten und den Einfluss der Sunniten zu mindern? Ich meine ich hätte sowas in der Richtung nämlich schonmal gelesen (im Internet) und hätte aber auch gern euer Wissen dazu 🙂

    1. Hallo wanderer0901,

      vielen Dank für die netten Worte.

      Da ich nur rein aus Hobby mich mit diesen Themen beschäftige, ist meine Aussage zu deiner Frage nicht fachlich anerkannt. Nichtsdestotrotz halte ich die Aussagen des Historikers Dr. Özerl Küpeli von der Izmir Katip Celebi Universität für sehr rational.

      Er sagt, dass es mit Sicherheit anfangs religiöse Gründe für die Bekämpfung gab, jedoch kann die Sunni-Shia-Problematik nicht der einzige Grund für eine 150-jährige Bekämpfung sein. Religiöse Motive wurden auch damals genau wie heute genutzt, um Schlachten zu begründen. Nur so erhielt man auch eine konstante Unterstützung vom Volk. Aber es gab auch weitere Interessen. Die Safewiden wollten Raum in Anatolien, während die Osmanen Potenzial im Iran und im Irak sahen.

      Weshalb? Weil zu der Zeit eins der wichtigsten Produktionszentren für Seide im Reich der Safewiden war. Beide Reiche wollten mehr Kontrolle und Macht in der Seidenhandel und generell in der Seidenstraße haben. Es geht also um Handel, um Wirtschaft, Geld und Verbreitung des Machtgebietes.
      Ich hoffe ich konnte dir helfen.

      Viele Grüße,
      Burak

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