Reisebericht: Usbekistan 🇺🇿

Meine erste Reise nach Zentral Asien hat in Usbekistan begonnen. Viele Jahre hatte ich davon geträumt und im Jahre 2017 ist dieser Traum in Erfüllung gegangen. Usbekistan ist für mich ein besonderes Land, ich liebe die usbekische Kultur, die Musik und das Essen.

Die Usbeken gehören zu den Turkvölkern und die Sprache wird dem karlukischen Zweig der Turksprachen zugeordnet. Die Hauptstadt heisst Tashkent und im Land leben rund 32 Millionen Menschen, somit ist Usbekistan das Bevölkerungsreichste Land in Zentral Asien.

usbekistan-geographie

In den knapp 2 Wochen habe ich Orte wie, Tashkent, das Tien-Shan Gebirge, Samarkand, Chiwa und Bukhara sehen können. Es gibt sehr viel zu diesem an Geschichte und Kultur reichen Land zu erzählen. Manchmal hatte ich das Gefühl ich bin in einem klassischen Sindbad Film, denn alles sieht aus wie vom Märchen aus 1000 und einer Nacht.

Hier ist erst einmal ein kleiner Zusammenschnitt von den Videos die ich gemacht habe. Ihr werdet ein Teil vom Stadtfest „O’zbegim“ aus Tashkent sehen, so wie traditionelle Tänze, von der Landschaft, der WĂĽste Kyzylkum, eine Vorstellung usbekischer Musikinstrumente und so einiges mehr.

Die Timuriden

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TemĂĽr ibn Taraghai Barlas

Die beeindruckenden Bauwerke, die ich gesehen habe stammen meistens aus der Zeit der Timuriden. Der GrĂĽnder dieser muslimischen Dynastie war Amir Timur.

Amir Timur (Geboren am 8. 4. 1336 in Shahrisabz, gestorben am 19. 02. 1405 in Shymkent) stammte aus der Stammeskonföderation der Barlas. Er war ein Emir des damals herrschenden Tchaghatai Khaganats. Später heiratete er in die Herrscherfamilie ein und nahm auch den mongolischen Titel Gurkani an, was auf deutsch „Schwiegersohn“ heisst. Das Haus der Tschaghatei stammte von Dschinghis Khan ab, aber Timur selbst nicht und deshalb hat er den Titel Khan nie benutzt. Er setzte Marionetten Prinzen ein um seine Herrschaft zu legitimieren. Obwohl es zu WidersprĂĽchen mit der Sharia (dem islamischen Recht) kam, setzte er auf turkomongolische Traditionen.

Er hat grosse Teile Zentral und Vorderasiens erobert, machte auch Feldzüge nach Indien, Anatolien und dem nördlichen Teil vom schwarzen Meer. In jedem seiner Schlachten war er Siegreich. Man sagt, dass er während seiner Herrschaft nicht nur ein erbarmungsloser und brutaler Herrscher war, sondern auch viel Wert auf Kunst und Literatur gelegt und diese gefördert hat. Er ist der nationale Held der Usbeken überhaupt. Sein Mausoleum Gur-Emir in Samarkand habe ich auch besucht.

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Afrasiyab

Die antike Stadt Afrasiyab liegt im heutigen Samarkand und ist einer der ältesten Städte Zentral Asiens. Im Laufe seiner Geschichte wurde die Stadt von vielen Völkern erobert und regiert unter anderem von den Achämeniden, Seleukiden, verschiedene türkische Dynastien, Mongolen, Araber usw.

Hier habe ich auch das Museum besucht, wo man Wandmalereien aus der Zeit der Sogdier bewundern kann, bzw. das was noch von ihrem ehemaligen Glanz übrig geblieben ist. Es sind auch türkische Söldner zu sehen, diese erkennt man an ihren damals typischen langen und geflochtenen Haaren. Ein Auszug aus Wikipedia:

Um die Mitte des 6. Jahrhunderts ergriff der westtĂĽrkische Khan von Afrasiab Besitz. Im frĂĽhen 7. Jahrhundert geriet Sogdien und damit auch Afrasiab zunehmend unter chinesischen Einfluss. Nach 670 verloren die Chinesen Zentralasien an die Tibeter, Sogdien fiel in der Folge ab 673 an die Umayyaden. im 7. Jahrhundert prägte man hier auch eigene MĂĽnzen. Aus dieser Zeit stammen auch Wandmalereien in dem Palast von Afrasiab, die den Empfang Gesandter aus China und Korea zeigen.

Sergey A. Yatsenko
Rekonstruktion der Halle der Botschafter aus dem 7. Jahrhundert. Sergey A. Yatsenko 

Ulug Begs Observatorium

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Das Observatorium, wurde vom gleichnamigen Ulug Beg (Ulug’bek) errichtet. Er war ein FĂĽrst der Timuriden Dynastie und der Enkel von Amir Timur. Mein ReisefĂĽhrer hiess auch Ulug’bek, grĂĽsse an ihn wenn er das liest 🙂

Ulug Beg lebte von 1394 bis 1449. Geboren wurde er in Soltanije im heutigen Iran und gestorben ist er in Samarkand. Er strebte nach Wissen und beschäftigte sich mit Mathematik, Astronomie, Poesie, Kunst und dem Studium des Korans.

Das Observatorium wurde im Jahre 1424-1428 erbaut und es wurde fĂĽr astronomische Beobachtungen genutzt. Leider ist nur ein Teil davon ĂĽbrig geblieben, denn nach der Ermordung Ulug Beg’s wurde das Observatorium zerstört. In der Nähe der Ruine befindet sich ein Museum.

Tonnenweise Fotos und Erinnerungen

Ich habe In Usbekistan sehr viele Fotos gemacht, von denen ich in diesem Video nur ein Bruchteil zeigen werde, passend dazu traditionelle usbekische Musik im Hintergrund zu hören.

Raxmat O’zbekiston (Danke Usbekistan)

Diese 2 Wochen waren fĂĽr mich eine spirituelle Reise… Denn sie hat mir geholfen mehr von meinen Wurzeln zu erfahren. Wenn man während der Zeit als SchĂĽler eher europäische Geschichte  gelehrt bekommt fragt man sich irgendwann mal als nicht Europäer woher man herkommt und man sucht und forscht selbst. In Schulen und Bibliotheken gab es keine BĂĽcher zu lesen, die die Geschichte und Kulturen Eurasiens, oder speziell ĂĽber die Turkvölker beinhalten. Das Internet war auch kaum verbreitet und selbst dort waren Informationen rar. Ich könnte SachbĂĽcher aus der TĂĽrkei mitbringen aber diese zu verstehen waren fĂĽr mich schon ein wenig zu hoch. Das wenige, was man weiss lernt man von Verwandten oder den Eltern.

Ich kann mich noch gut erinnern, als mein Vater mir davon erzählte, dass es in China Millionen von Türken gibt, die die gleiche bzw. eine ähnliche Sprache sprechen wie wir. Das hatte mein Interesse geweckt noch mehr nachzuhaken, denn mit China habe ich damals Bruce Lee, Kung-Fu und die grosse chinesische Mauer in Verbindung gebracht, ein Land das sehr weit Weg von der Türkei ist, wie kann es denn dort Türken geben?

Vor ĂĽber 20 Jahren in den Sommerferien in der TĂĽrkei, habe ich mal ein Lied im Fernsehen gehört. Das Lied hat mir sehr gefallen jedoch konnte ich die Sängerin nicht ganz verstehen aber irgendwie doch, ein komisches GefĂĽhl. Ich habe mir den Namen der Sängerin und den Namen des Liedes gemerkt. Einige Jahre später habe ich das Lied und die Sängerin im Internet finden können. Der Name der Sängerin ist Yulduz Usmanova und das Lied heisst „Dunyo“ ein etwas melancholisches Lied, es wird darĂĽber gesungen, dass die Welt (das Leben) seltsam ist und es leider Ungerechtigkeit gibt usw.

Dieser glückliche Fund hat mich zu einer inzwischen geschlossenen usbekischen Seite gebracht, wo ich mich direkt angemeldet hatte. Ich habe mich dort viele Jahre lang mit den usbekischen Mitgliedern unterhalten, über das Land selbst über die Kultur, Gott und die Welt usw. Habe sehr nette und freundliche Menschen kennengelernt. Ich fing an Filme auf usbekisch zu gucken und Musik zu hören. Noch Heute höre ich gerne usbekische Musik sei es auf dem Weg zur Arbeit in der Bahn oder im Auto etc. Durch das Internet hat sich eine neue Welt für mich eröffnet.

Ich habe mir auch durch Internetseiten, durch Musik aber auch durch usbekische BĂĽcher einigermassen usbekisch selbst beigebracht. Es gibt in Bonn einen Sprachkurs, den ich sicherlich mal besuchen werde um mein usbekisch zu verbessern, denn es fehlt mir leider an Praxis.

Zurück zu meiner Reise, ich habe dort sehr freundliche Menschen kennengelernt und mich gut verständigen können. Es gab viele parallelen zur türkischen Kultur und Redewendungen und die Sprache ist auch ähnlich. Es gab immer was interessantes zu sehen, die Architektur der historischen Gebäuden mit dominanten Türkisen Farben, die vielen Museen, das moderne westliche Tashkent und vieles mehr.

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Nicht zu vergessen die usbekische KĂĽche, die sehr reich ist und sehr lecker schmeckt, einige Gerichte koche ich sogar selbst zu Hause. Das berĂĽhmteste essen ist „Plov“ ein Reisgericht mit Karotten, Fleisch und KĂĽmmel als GewĂĽrz. Die besten Plov Köche wären Männer so sagt man 🙂 Je nach Gebiet gibt es kleine Unterschiede zum Gericht. In Tashkent z.B. gab es Pferdewurst dazu. Und wenn ich mich richtig erinnere festgekochte Wachteleier.
Click:

Yoqimli ishtaha, Guten Appetit!

 

Es gibt wirklich sehr viel zu schreiben aber ich habe es hier versucht kurz zu fassen, denn ich will nicht zu viel verraten. Ich kann jedem eine Reise nach Usbekistan empfehlen, für Wanderlustige, für Liebhaber von kulinarischem Essen, für Leute die sich für Kunst und Geschichte interessieren ist Usbekistan ein Muss und wer einmal in Usbekistan war wird verzaubert werden und wieder kommen wollen, ich werde nämlich definitiv wieder zurück kommen.

Ko’rishguncha! Auf ein Wiedersehen!

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