Die Schlacht von Salsu, Goguryeos Kampf gegen Sui China 고구려-수 전쟁

Die Schlacht von Salsu im Jahre 612 ist einer der zerstörerischsten Kriege in der Militärgeschichte Ost Asiens. Die expansionistische Politik Chinas zielte darauf ab eine koreanische Macht, Goguryeo zu zerstören, die als potenzielle Bedrohung an ihren Nordgrenzen gesehen wurde. China versuchte, die innerstaatlichen Aufstände mit neuen Siegen zu unterdrücken und erweiterte sein Territorium durch kontinuierliche Kriege nach Norden. Gleichzeitig befand sich China aufgrund des Konflikts zwischen den koreanischen Königreichen in einer vorteilhaften Position. Da der chinesische Kaiser sich der bevorstehenden Tragödie nicht bewusst war, bereitete er sich darauf vor, eine grosse Armee aufzustellen.

Ende des fünften Jahrhunderts wandte sich das Königreich Goguryeo, das den nördlichen Teil der koreanischen Halbinsel regierte, der Mandschurei zu, weil China sich auf die innere Stabilität und die Gefahr einer türkischen Invasion in nahegelegene Länder konzentrierte. Goguryeo war ein Übergangspunkt der koreanischen Halbinsel nach Asien, da die Konföderation von Silla, Baekje und Gaya den Rest der koreanischen Halbinsel regierte.

Der Sui Goguryeo Kampf

Die Schlacht von Salsu war der zweite Krieg zwischen Koguryo und China. Diese Kriege werden Sui-Goguryeo Kriege genannt und fanden zwischen 598 und 614 statt. Diese Kriege wirkten sich negativ auf die chinesische Herrschaft in der Region aus und führten zum Zusammenbruch der Sui Dynastie, während die koreanischen Mächte ihren Einflussbereich erweiterten.

Während der Zeit von Kaiser Yang von Sui, der das Land zwischen 604 und 618 regierte, wollte China Goguryeo schwächen und ein Sieg über Goguryeo würde einen Einmarsch auf die koreanische Halbinsel und eine Besetzung von Silla und Baekje erheblich erleichtern.

Die türkisch-koreanische Zusammenarbeit

Die grössten Errungenschaften in der Sui Dynastie wurden zwischen 589 und 618 erzielt. Die Kaiser Wen, Yang und Gong von Sui konsolidierten die öffentlichen Einrichtungen, landwirtschaftliche Entwicklungen und den kontinuierlichen Bau der Projekte der Großen Mauer und des Großen Kanals (Kaiser Kanal). Aber die übermäßigen Kosten der Kämpfe gegen Korea haben das Reich geschwächt.

Die türkischen Invasionen waren grundlegende Probleme in der Zeit von Yang, der nach Kaiser Wen an die Macht kam und einige militärische Kampagnen rund um den Jangtsekiang Fluss und das Ostchinesische Meer durchführte. Die enge Zusammenarbeit zwischen Goguryeo und den Göktürken war eine große Sorge für das Reich. Die chinesischen Kaiser Wen und Yang forderten, die Zusammenarbeit beider Völker an den Grenzen zu stoppen. 

Goguryeo, das gute Beziehungen zur alten Chen Dynastie und anderen Staaten in China aufbaute, änderte seine politische Position nach der Gründung der Sui Dynastie. Goguryeo wollte seine Grenzen erweitern, um ein Imperium zu werden.

Wandmalerei in Afrasiyab

Afrasiab ist eine antike Stadt, die im heutigen Samarkand (Usbekistan) liegt. In einem Palast aus der Zeit der Sogdier, sind zum Teil intakte Wandmalereien erhalten, die unteranderem Jagdszenen, türkische Soldaten oder Empfänge von ausländischen Botschaftern darstellen. An einer dieser Malereien erkennt man 2 Botschafter aus Korea, vermutlich hat man Verbündete gegen die Chinesen gesucht. 

Vorbereitung auf den großen Krieg

Kaiser Yang, der versuchte, mit einigen diplomatischen Manövern Zeit zu gewinnen, bereitete sich nach dem Bau des Kaiser Kanals (die längste von Menschen geschaffene Wasserstrasse der Welt), der eine Verbindung zwischen dem Süden und dem Norden des Landes darstellt, auf den Krieg vor. In den ersten Monaten des Jahres 611 fing er an, eine riesige Armee aufzustellen. Es wurden Soldaten rekrutiert, die sich in und um das Gebiet der Mandschurei zu einer Armee agglomerierten.

Eine enormer strategischer Vorteil wäre es gewesen, sich zu erst auf die Eroberung der Halbinsel Liadong zu konzentrieren, von wo man die Kontrolle über Pjöngjang behalten könnte. Die Logistik, Manövrierfähigkeit und Mobilität solch einer riesigen Armee stellte sich indes als sehr schwierig heraus.

Goguryeo zog seine Soldaten auf die Ostseite des Flusses Liao zurück, der sich auf der Halbinsel Liaodong befindet. Die Wetterbedingungen waren für Goguryeo von Vorteil, da das Eis schmolz und die Chinesen Brücken bauen mussten, um die Flusswege passieren zu können.

Die Koreaner bereiteten viele Hinterhalte für die Chinesen vor, die sich schleppend in Richtung Goguryeo bewegten. Einige Soldaten wurden in Burggebieten getötet, andere in Sümpfen. Daher musste der chinesische Kaiser die Taktik ändern. Einige Quellen geben sogar Informationen darüber, dass den koreanischen Streitkräften von einigen türkischen Stämmen und einigen chinesischen Gruppen geholfen wurde. Die chinesische Armee konnte während der sechsmonatigen Belagerung nicht einmal eine der Goguryeo Festungen erobern. Wenn einige Bataillone es schafften in diese einzudringen, wurden sie sofort getötet.

Seeangriff auf Korea

Kaiser Yang, der Korea schnell erreichen wollte, setzte neue Taktiken ein, um die Moral der Soldaten aufrecht zu erhalten, die die langfristige Landbelagerung satt hatten. Während die Landarmee langsam voran kam, befahl er, einen Teil seiner Soldaten in den Taedong Fluss einzudringen, der durch das Herz von Goguryeo fließt. Chinesische Soldaten gelangten leicht nach Pjöngjang aber die Stadt war leer und die Armee sah sich einem Überraschungsangriff von Goguryeo aus Nordosten gegenüber. Infolge dieses Angriffs zog sich die chinesische Armee zurück. Der frühe Erfolg hielt nicht lange an.

Auf der anderen Seite drang die Landarmee in den Fluss Yalu ein, der sich im Norden befindet. Koreanische Angriffe aus dem Hinterhalt, bereiteten Probleme beim Schutz des Proviants. So befahlen die Kommandeure den Soldaten, anstelle von Arbeitern und Bediensteten ihre eigenen Speisen und Getränke zu tragen. Viele Soldaten akzeptierten diesen Befehl nicht und es kam wie vorhersehbar zu einer Hungersnot, gefolgt von Krankheit und Tod.

Der Legendäre Kommandant Eulji Mundeok

Der König von Goguryeo bereitete sich auf einen Waffenstillstand vor und setzte den Kommandanten Eulji Mundeok ein, der als Feldmarschall in Auftrag gegeben wurde. Die chinesische Armee nahm das Angebot nicht an und versuchte, Eulji Mundeok gefangen zu nehmen, aber der Plan schlug fehl. Die Situation war verwirrend, insbesondere weil die chinesische Armee in mehrere Einheiten aufgeteilt und die Kommunikation mit den Hauptkommandanten unterbrochen wurde. Sie wussten nicht, wie sie sich verhalten sollten, als Eulji Mundeok kam.

Euljis Hauptziel war es, Zeit zu gewinnen, koreanische Späher in die Hauptstadt zu schicken und unterwegs neue Hinterhalte vorzubereiten. Sein berühmtes Gedicht an chinesische Kommandeure ist bis heute beliebt.

Deine göttlichen Pläne haben den Himmel erobert , deine subtile Berechnungen sind Weltbekannt. Du gewinnst jede Schlacht, dein militärisches Talent ist großartig, warum dann nicht zufrieden sein und den Krieg beenden?

(신 책구 천문 / 묘산 궁 지리 / 전승 공기 지족 / 지족 원 운지)

Er täuschte die chinesische Armee mit Versprechungen und zynischen Gedichten. Die angeschlagene Armee war wieder gespalten und setzte den Weg zur Eroberung der Hauptstadt mühsam fort. Geografische Schwierigkeiten wirkten sich auch negativ auf sie aus. Die Verbindung zwischen den Truppen ging verloren und Goguryeo begann sie alle Stück für Stück auszulöschen.

Die chinesische Armee wurde immer wieder von Goguryeo angegriffen, als sie kurz davor waren Pjöngjang zu erreichen. 300.000 Soldaten kamen am Salsu Fluss an (heute Chongchon, 청천강). Der Wasserstand im Flussbett war sehr niedrig, weil Goguryeo den Wasserfluss durch einen Damm unterbrach.

Als die Chinesen die Mitte des Flusses passierten, befahl Eulji Mundeok, das Dammtor zu öffnen. Das Wasser verursachte einen Strömungseffekt und ließ die meisten von ihnen ertrinken. Chinesische und koreanische Quellen geben die Zahl der überlebenden Soldaten auf ungefähr 2700 an.

Korea hatte Dank Eulji Mundeoks genialem Plan und seinen literarischen Fähigkeiten China besiegt.

Kaiser Yang war wütend über die Niederlage und beschloss, Goguryeo in den folgenden Jahren erneut anzugreifen. Aber der interne politische Druck ließ ihn nicht weitermachen. Als Yang starb, fing die Sui Dynastie an zusammenzubrechen, bis sie schliesslich vom Nachfolgestaat der Tang Dynastie ersetzt wurde.

Die Taktik des Staudamms von Eulji Mundeok gilt als erstaunliches und außergewöhnliches Beispiel in der Militärgeschichte. Durch seiner strategischen Fähigkeit und der Erkundung des Geländes hat er einen Damm bauen lassen. Er hat bis zum Fertigbau, die Chinesen hingehalten und dafür gesorgt, dass sie in kleinere Truppen marschierten. Das Friedensangebot, diente auch nur zur Vorbereitung auf den letzten Schlag. Letztendlich, ging seine Strategie auf und die Chinesen erlitten eine vernichtende Niederlage. Dieser Sieg ist einer der wichtigsten in der koreanischen Geschichte.

Quellen:
Letters from Korean History
Theasian.asia

4 Kommentare zu „Die Schlacht von Salsu, Goguryeos Kampf gegen Sui China 고구려-수 전쟁

Gib deinen ab

  1. Eren, das ist ein wirklich gelungener Beitrag. Kurz und bündig und gleich zur Sache gekommen. Du hast den Kontext der Begegnung zwischen Goguryeo, T’ang und den Göktürken gut beschrieben.

    Es ist mir nicht klar, ob du diesen blog noch betreibst. Mal von der Domain abgesehen hast du ein sehr interessantes Thema gefunden. Auch ich hatte, vor rund 1,5 Jahren, mit einem History Blog angefangen. Der Fokus lag jedoch auf den Göktürken. Da der Blog gut ankam – und ich schon immer ein faible für Video Editing hatte – habe ich später eine Dokumention darüber erstellt. Die Serie heißt „Aufstieg der Gök-Türken“, war ursprünglich auf Englisch verfügbar und wurde von mir auch ins Deutsche übertragen. Das schwierigste jedoch war die Recherche. Es gibt soviel zu lesen, aber die chinesischen Quellen (und auch die koreanischen) stehen leider nicht vollständig in Übersetzung zur Verfügung – und in der Literatur sind sich die Historiker nicht mal darüber einig, ob es nun jenen Khan oder jene Prinzessin überhaupt gegeben hat.

    Derzeit arbeite ich an einem Film, in der alle bisherigen Episoden zusammengefasst werden. Aber sie werden von Grund auf neu bearbeitet, um den roten Faden besser auszuschmücken und die audiovisuelle Qualität anzuheben. Ein besonders wichtiges Kapitel ist der Kontakt zwischen den Koreanern und Türken im 6./7. Jahrhundert. Ich habe einige essays koreanischer Wissenschaftler gefunden, aber die Quellenanalyse ist nur bedingt aufschlussreich. Interessierst du dich auch für dieses Thema? Vielleicht möchtest du dich ja mal mit mir austauschen. Ist heutzutage selten jemanden zu finden, der sich nicht nur für solche Geschichten interessiert sondern sich auch die Mühe gibt, darüber zu recherchieren.

    Insofern nochmal Lob für deine Beiträge! Würde mich freuen, mich mit dir auszutauschen.

    Beste Grüße
    Emre von Höhle des Khan

    1. Hallo Emre,

      Danke für dein positives Feedback. 2 andere Freunde und ich betreiben „Die Steppe“ aber die meisten Beiträge stammen von mir. Durch Arbeit, Familie Privat Leben etc. kommen wir leider nicht dazu aktiver zu sein.

      Wie du schon sagtest es ist schwierig zu recherchieren, da es kaum deutsche oder türkische Bücher und Artikel über die alten Koreaner gibt. Was ich manchmal mache ist Bücher aus den USA oder Britannien zu importieren oder andere englischsprachige Artikel lesen. Ausserdem kann ich dir 2 Youtube Kanäle vorschlagen, diese wären „Kings & Generals“ und „Cool history bros„.

      Leute zu finden die sich für die Kulturen, Sprachen, Geschichte und Geographie Eurasiens interessieren ist schwierig. Ich bin zB auch ein Admin der Facebook Gruppe „Zentralasien – Usbekistan….“ die meisten Leute die in die Gruppe kommen wollen, haben eher Fragen wie man dorthin reist und was man sich dort alles ansehen kann. Naja aber ich würde mich freuen, wenn du trotzdem dort vorbei schaust, weil ich dort aktiver bin.

      Habe vorher einige deiner Videos gesehen und ich finde, dass sie dir sehr gelungen sind also auch ein Lob von mir. Hatte auch vor ein Youtube Channel zu öffnen, aber das ist sehr Zeitaufwendig also meinen Respekt hast du.

      Viele Grüsse und vielleicht bis bald mal.

      Eren

  2. Hallo ihr Beiden,

    Seit meiner Kindheit studiere ich Turkologie und Japanologie.
    Ich kenne mich also würde ich behaupten auch aus mit der Geschichte der Turkvolker. Ich weiss aber auch nur das was ihr wisst.

    Ich habe im Leben das Glück gehabt, dass ich eine Japanerin als Freundin habe. Sie hat im Studium Japanologie studiert. Sie erzählte, dass sie gelernt hat, dass Mongolen, Chinesen, Indianer, Japaner und Koreaner auch ursprünglich aus dem Altai Gebiet stammen wie die Turkvolker. Den Türkischen Gott gibt es auch heute noch in Japan. Im Japanischen heisst er Tenri. Von meiner Freundin der Ehemann, ein Koreaner berichtete mir persönlich über die türkisch koreanische Freundschaft und zugleich die Feindschaft gegenüber China. In Korea gibt es Serien wo Göktürken und Koreaner zusammen gegen China gekämpft hatten. Ohne den lieben Koreaner hätte ich das heute in keiner Quelle lesen können. Die westlichen Medien so sehe ich das, halten die Geschichte und Entwicklung der Turkvölker klein. Entweder bewusst oder unbewusst. 😀

    Beste Grüße,
    Sema Tibet

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